Grimms Welt Reisen, Geschichten und Politik

8. September 2004

Hong Kong Reisebericht Teil 3 ???

Filed under: Reiseberichte — Grimm @ 06:21

Nachdem gestern abend recht wenig Zeit war den Bericht zu schreiben, kann ich nun den heutigen Morgen dazu nutzen, da uns gerade tropischer Regen vorgestellt wird.

Unsere Tagesplanung wurde ein wenig durcheinandergebracht, wir verpassten die Faehre die uns zu einem interessanten Punkt bringen sollte um 5 Minuten, so dass wir stattdessen eine andere nehmen mussten. Ich liess bald Merrit die Fuehrung uebernehmen, da ich immer wieder zu dem vorherigenen Ziel laufen wollte. Nachdem ich es irgendwann in meinen Schaedel bekommen hatte, dass unser Ziel nicht mehr Aberdeen sonder der Hong Kong Peak war, versuchte ich mich auch in der Wegfindung, wohl wissend, dass ich keine Ahnung hatte.
Bei einer guenstigen Gelegenheit bogen wir in eine enge Einkaufsstrasse ab, die uns vom Weg zum Peak abbrachte. Leider nicht soweit wie ich gehofft hatte, aber immerhin ein wenig. Ich habe in einem Urlaub in Dublin gelernt, dass die ahnungslose Methode eine Stadt zu erkunden sehr interessant sein kann, weil man nicht in den ausgetretenen Pfaden der Tourifuehrer laeuft. Nach dem uns ein hilfsbereiter Chinese auf den richtigen Weg zur Peak Tram gebracht hatte – Kurzer Einwurf, wenn man von den Einheimischen angesprochen wird, ist die Information verlaesslich, so meine Erfahrung, spaeter mehr-, kamen wir auch schon in den Strom der anderen Touris. Mit der Bahn wurden wir auf den Berg gefahren, mussten oben erstmal den Ausgang aus der Souvenirhoelle finden und konnten dann den Ausblick auf ein diesiges Hong Kong geniessen. Der Peak war also eine ziemliche Enttaeuschung. Wir fanden einen Fussweg nach unten und erkannten dabei, dass die Chinesen in HK eine gewaltige Furcht vor der ungebaendigten Natur haben. Beinahe der komplette Hang, den wir herunterliefen, war mit einer 10-20cm dicken Betonschicht versehen, so dass sich auch wirklich kein Kruemel Erde loesen kann. Safe slopes save lives.
Der Fussweg war auf jeden Fall interessanter als die alberne Bahn und brachte uns noch einmal nahe, was tropische Hoelle bedeutet. Vollkommen durchschwitzt kamen wir am Treffpunkt an, bei dem wir Frau N. trafen. Mit ihr fuhren wir per MTR (U-Bahn) zum Ladies market. Nein, auch wenn wir natuerlich den Witz reissen mussten, dort gibt es keine Ladies zu kaufen. Es gibt einfach nur unglaubliche Mengen an Schund und Schrott zu kaufen, aber auch interessante Schnaeppchen. So konnte ich einen schoenen grossen Rucksack fuer nur 105 HK$ (ca. 12,5 Euro) sichern. Mit Hilfe von Frau N. hatte ich es geschafft diesen von 160 HK$ (ca. 20 Euro) so tief zu druecken. Das Handeln hatte richtig Spass gemacht. Auch 160HK$ waeren ein guter Deal gewesen, aber warum Geld verschenken? Merrit kaufte sich noch ein T-Shirt und ein paar andere Sachen, waehrend Frau N. bei mehreren Gelegenheiten zuschlug. Nach einer Staerkung in einem versteckten Lokal machten wir uns nun auf die Suche nach dem Flower Market, dort werden tatsaechlich Blumen und Pflanzen verkauft.
Bei der Suche wurde wir nur leider drei Mal Opfer der krankhaften chinesischen Hoeflichkeit, wenn Chinesen einen Weg nicht wissen, erzaehlen sie dir halt irgendeinen, einfach nur, um nicht zugeben zu muessen, dass sie keine Ahnung haben. Bei Ladenbesitzerin Kuh Nr.1 erfuhren wir die falsche MTR Station, an der wir aussteigen sollten, bei Mr. Ich-rede-so-als-haette-ich-Ahnung konnten wir dann einen sehr detaillierten falschen Weg in Erfahrung bringen, bei Mr. Ich-habe-offensichtlich-keine-Ahnung,-verarsch-euch-aber-dennoch konnten wir ein weiteres Mal wirr durch die Gegend laufen. Erst ein Taxi, dass wir zur verzweifelt zur Fortbewegung nutzten, brachte uns an den ersehnten Markt. Dort endlich angekommen waren leider die ausgestellten Bonsai recht langweilig, wenn auch erstaunlich guenstig. Fuer grosse, gut aussehende Bonsai, leider nicht im Flugzeug transportabel, zahlte man 60-100 Euro. Nach laengerem Durchsuchen des Marktes konnte Frau N. sich aber noch zwei gute Modelle erhandeln. Mit zwei schweren Tueten bepackt ging das phantastische Duo + Eins zum naechsten Taxi und liess sich zur Computer-Meile Hong Kongs chauffieren. Dort trafen wir unseren Gastgeber und gingen mit ihm Shoppen, da sein Rechner erst vor zwei Tagen seinen alten Geist aufgegeben hatte. Nach ein wenig umgucken gerieten wir an einen Laden, in dem meine Traeume wahr wurden. Gute Auswahl, gute Beratung, Ahung von der Materie, alles vereint in einem Laden. Nach einer Stunde des Auswaehlens fragten wir nach der Bauzeit fuer den Rechner. Wir sollten in einer halben Stunde zurueckkommen, dann waere er fertig. Auf die Rueckfrage, wann sie denn schloessen (es war bereits 19:30), gaben sie uns die erstaunliche Antwort, sie schloessen erst dann, wenn wir den Rechner auch geholt haetten. Freundlichkeit und Flexibilitaet, kein Problem. Einen derartigen Laden habe ich bisher noch nicht in Deutschland gefunden, das ist ein verdammter Jammer.
Nachdem wir dann den Rechner abgeholt hatten fuhren wir dann auch nach Hause, kamen erst um 10 Uhr abends hier an.
Ich gebe ab an Merrit.

6. September 2004

HongKong Reisebericht Teil zwei ??

Filed under: Reiseberichte — Merrit @ 18:19

Wer kennt nicht die Szene aus „Amazonen auf dem Mond“ als die tapferen Erdlingsraumfahrer auf dem Mond aus ihrem Raumschiff stiegen, den Helm abnahmen und sagten: „Geliebtes H2O“. Oft haben wir darueber gelacht und ueberheblich damit geprahlt es besser zu wissen. Heute wissen wir: Der Film muss in HongKong gedreht worden sein und der Satz hat seine absolute Berechtigung. Der „Fehler“ ist keiner und jeder Morgen sieht das gleiche Schauspiel. Grimm und ich kommen aus dem klimatisierten, kondensationsgetrockneten Schlafzimmer strecken uns ein wenig und begeben uns in die Wasserdampf geschwaengerte Luft der Welt ausserhalb unserer 4,5 sqm Schlafstaette, lassen uns von 94% Luftfeuchte umschlingen und denken waehrend sich zu der Feuchte der Luft die aus unseren Poren gesellt (weit ironischer als die Raumfahrer im Film) „Geliebtes H2O.“
Na, aber [i]die schwitzenden Zwei[/i] lassen sich natuerlich nicht von delokalisierten Wassermassen aufhalten und darum haben wir auch heute unser ach so lieblich kuehles Domizil verlassen um uns ein wenig den Wundern HongKongs zu widmen, die Wunder der Zivilisation wehmuetig hinter uns lassend. Heute, Dienstag der….. Mist…. irgendwann im September…. steht die Insel LanTau auf dem Programm. Fast doppelt so gross wie HongKong Island lockt sie (laut Reisefuehrer) mit allerhand interessanten Ausflugszielen wie der weltgroessten sitzenden Buddastatue, buddistischen Kloestern, einem christlichen Kloster (das erste mal das ICH von den Trappisten gehoert habe), einer Burg gegen Piraten, malerischer Natur und natuerlich dem kleinen Ort TaiO der wegen seiner Pfahlbauten gerne als das Venedig HongKongs bezeichnet wird, aber dazu spaeter.
Vielleicht haetten wir uns den Reisefuehrer ein wenig frueher und genauer ansehen sollen, dann waeren wir sicher nicht erst gegen 12Uhr aus dem Haus gegangen und vielleicht haette uns auch die 50 minuetige Faehrfahrt von HongKong Central nach MuiWo auf LanTau nicht ueberrascht. So kamen wir immerhin puenklich zum Mittagessen in MuiWo an und besuchten gleich den „Foodmarket“ (Grimm: „8 Buden gleich Foodmarket zu nennen ist ein wenig euphemistisch“) auf und entschieden uns nach reichlicher Ueberlegung und Begehung des Areals fuer die erste „Bude“ in der es neben kostenlosem exzellentem gruenen Tee fuer 35 HK$ (etwa 4,3 Euro) natuerlich auch etwas zu essen gab…. Der Tee war wirklich gut.
Mittlerweile mit sehr stattlichen und sehr touristischen Schweissflecken auf den Hemden ausgestattet machten wir uns auf die ebenfalls 50 Minuetige Bustour ueber die Insel, vorbei an wunderbarer Vegetation entlang einer engen Bergstrasse mit einer Baustelle jeden Kilometer, die vielleicht stoerend gewesen waeren, haetten wir nicht die eindrucksvolle fremde Natur und den einen oder anderen phaenomenalen Ausblick um uns gehabt um uns abzulenken.
TaiO hat mit Venedig ungefaehr so viel gemein wie… na ja, zwei Staedte eben ,die nur gemein haben, dass ihre Haeuser vom Wasser umspuehlt werden. Ich war noch nie in Venedig aber ich glaube nicht, dass es aus baufaelligen winzigen Baracken auf Stelzen aufgebaut ist und penetrant nach Fisch stinkt. Oh, es war faszinierend, wunderbar, schockierend und einfach so wunderbar das Grimm und ich den ganzen Tag hier verbracht haben, durch enge Gassen wandernd, nicht wissend wo wir zuerst hinschauen sollten. Es war eine fremde Welt in der Menschen mit einfachsten Mitteln, Treibgut teilweise, Huetten in eine Bucht gebaut hatten und diese unter teilweise unter Bedingungen bewohnten, die einfach nicht in eine Welt zu passen scheint, die mit einer Schnellfaehre nur 25 Minuten von einer 7,5 Millionen Einwohner Metropole wie HongKong entfernt ist.
Wir sahen klischeehaft alte Leute Domino spielen, eine Hausfrau ueberraschend gruendlich ihre Kochgelegenheit schrubben, mehr Arten Fisch getrocknet, als ich bisher irgendwie zubereitet gesehen habe und auch mehr Arten der Trocknung, als ich fuer moeglich gehalten hatte. Fisch in allen Variationen, lebend wie tot, wurde zum Kauf angeboten. Mit der Vielzahl der optischen Eindruecke kamen die Gerueche. Getrockneter Fisch stinkt nicht einfach… er raecht sich fuer seinen Tod. Und so erfolgreich ich seine Rache auch empfand, so wurde sie doch relativiert. Trotz seines penetranten Gestankes ist ein getrockneter Fisch nur ein Anfaenger in sachen Rache. Die wahren Meister sind Krabben, Sie stellen die lauen Lueftchen mit denen tote Fische sich gehoer verschaffen mit Leichtigkeit in den Schatten. Sie haben Helfershelfer unter den Menschen gefunden, die sie in Faessern einlegen, dann durch den Fleischwolf drehen und die violette Paste dann auf runden, metergrossen, flachen Bastkoerben zum Trocknen auslegen, auf einer Strecke, die unmoeglich ein normaler Tourist mit angehaltenem Atem ueberbruecken kann. Der eine oder andere Schrein, sanft nach den gerade nicht brennenden Raeucherstaebchen duftend, war wahre Labsahl, nicht nur fuer die Nase.
Mit Schweissflecken, von denen wahrscheinlich noch Generationen TaiOer Fischer ihren Enkeln kuenden werden, waren wir gegen 17Uhr wieder am TaiOer Busbahnhof und entschlossen uns, ob der Dunklen Wolken und der Aussicht auf 3h Heimweg, eben diesen genau jetzt anzutreten und die anderen Punkte auf unserer Liste auf einen anderen Tag zu verschieben. Zu unserem Glueck entschied sich der komplette Regen der letzten 4 Tage genau in der Zeit zu fallen, die wir im Bus verbrachten, was die vom Hinweg bekannte Szenerie um einige bombastische Miniaturwasserfaelle entlang der Strasse bereicherte und uns, gluecklich vom Regen verschont, zufrieden die Faehre besteigen liess mit einem ereignisreichen Tag hinter uns und der Aussicht auf -mindestens- einen weiteren auf LanTau.
Unserer Schweissflecken entledigt, immer noch leicht nach der Rache der Fische mueffelnd, lassen wir uns nun den Bauch von einem Ventilator umwehen, bevor wir uns ins Bettchen hauen, um Kraft zu sammeln fuer die ungefaehr 20 Maerkte, die morgen auf dem Programm stehen. Wenn wir rechtzeitig aufstehen, schaffen wir vielleicht ja sogar die Haelfte…. Aber das wird dann natuerlich wieder Grimms Geschichte werden.

Hongkong Reisebericht Teil eins ?

Filed under: Reiseberichte — Grimm @ 04:49

Nach dem gestrigen Tage kam es mir heute morgen in den Sinn anderen unsere Erlebnisse mitzuteilen.
Wir, das sind Merrit und ich.

Wie die meisten Besucher der Seite wissen, das phantastische Duo macht gerade einen drei-woechigen Trip in Hongkong. Kein Hongkong Besuch ohne Djunken Tour, dachte sich unser Wirt und hatte uns auf der Firmendjunkenfahrt angekuendigt.
So starteten wir um 10 Uhr morgens von Hongkong central mit einer Firmendjunke in Richtung Meer. An Board waren neben uns zwei noch circa 9 weitere Gaeste (insgesamt waren 3 Mitfahrende Angestellte der Firma) und die beiden Schiffsangestellten, die sich um das Fahren kuemmerten, waehrend die Gaeste sich auf dem sonnenerstrahlten Deck im Schatten genuesslich unterhielten. Da ein paar der 7,5 Millionen Einwohner Hongkongs auf die gleiche Idee gekommen waren, gestaltete sich die Suche nach einer ruhigeren Bucht etwas langwieriger, so dass wir eineinhalb Stunden unterwegs waren, bis wir in einer traumhaften, nicht ganz einsamen Bucht ankerten. Der Fahrt verging aber wie im Fluge, da die anderen Gaeste aus sehr unterschiedlichen Bereichen der Berufswelt kamen und es so genug Redestoff gab. Die eiskalten Getraenke und der Fahrtwind halfen beim Herabkuehlen auf angenehme Temperaturen.
In der Bucht angekommen sprangen wir vom Oberdeck in das angenehm warme Wasser, wo manche mehr, manche weniger ausgedehnt schwammen (jaja, ich bin halt kein Schwimmer). Nachdem wir noch einen grossen Schaumstoffblock ausgeworfen hatten, begannen die Spiele. Zwei Personen hatten sich auf den Block zu stellen, derjenige, der am laengsten oben blieb, gewann die Runde. Man durfte sich nicht schubsen, sondern musste den anderen durch ruckartige Bewegungen des Blocks aus dem Gleichgewicht bringen. Meistens rutschten beide Spieler ins Wasser. Die Zuschauer machten es sich waehrenddessen in Rettungsringen sitzend bequem. Nachdem vom Boot irgendwann der Ruf kam, es gaebe Essen, wurden die Spiele unterbrochen. Was soll man sagen, Essen ist halt doch ganz nett.
Nach einem kalten Imbiss wurde auf dem Oberdeck entspannt, ein wenig Bier konsumiert, bei ertraeglicher Musik geredet. Waehrend dieser Zeit konnten die anderen Besucher der Bucht betrachtet werden, Menschen, die teilweise wirklich viel Geld in ihr „Spassequipment“ gesteckt hatten. Waehrend wir mit einer schwimmenden Matte grossen Spass hatten, schwammen diese mit Tauchantrieben, kleinen Motorbooten, und weiteren technischen Spielereien durch die Gegend. Nachdem wir genug gesehen hatten und uns bereit fuer weiteres schwimmen fuehlteb, sprangen wir wieder ins Wasser. Dort wurden die Spiele ein wenig entkraeftet fortgesetzt, sprich Merrit kuemmerte sich von Deck aus um die Photos, ich sass in meinem Schwimmreifen, waehrend die anderen rangen. Nach einer Weile wurde es dann Zeit zum Aufbrechen, die Schiffsleute waren nur fuer acht Stunden angeheuert. So fuhren wir dann gemuetlich zurueck, es wurde noch ein wenig gefuttert, Bier getrunken, entspannt gedoest, wild durch die Gegend photographiert und darueber sinnierend ob die Aktionaere der Djunkenbesitzerfirma diesen wirklich angenehmen Einsatz ihres Geldes wohl gutheissen. Die Antwort will ich aber ehrlich gesagt nicht unbedingt wissen. 🙂
Nach der Ankunft am Hongkong Central Anlegesteg, stiegen wir in aller Pracht aus, verabschiedeten uns von den Gastgebern und gerieten in eine Horde von sitzenden Phillipinerinnen, die sich ueberall in der Hafengegend ausgebreitet hatten, um dort sitzend, essen, redend, spielend ihren Tag zu verbringen. Der Anblick dieser Menschenmassen war ein wenig ueberraschend und einschuechternd, besonders da mein Besuch in Finnland erst eineinhalb Wochen zurueck liegt. Ausserdem war der Kontrast der Freizeitbeschaeftigung doch recht krass.

Das war es erstmal fuer heute, wir muessen gleich die Faehre erwischen. Den naechsten Bericht wird Merrit schreiben.

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