{"id":93,"date":"2005-04-25T23:54:29","date_gmt":"2005-04-25T22:54:29","guid":{"rendered":"http:\/\/web517.s13.okayspace.de\/index.php\/archives\/93"},"modified":"2005-04-26T00:08:56","modified_gmt":"2005-04-25T23:08:56","slug":"bruder-h-berichtet-aus-hk-oder-filth-failed-in-london-try-hong-kong","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.ibetshedoes.de\/index.php\/archives\/93","title":{"rendered":"&#8222;Bruder H berichtet aus HK&#8220; oder &#8222;F.I.L.T.H. &#8211; Failed In London, Try Hong Kong&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Bruder H schreibt:<\/p>\n<p>Eigentlich trinke ich nicht besonders viel Alkohol, da ich unter dieser generell unfamili\u00e4ren, jedoch auf der m\u00e4nnlichen Seite unserer Familie verbreiteten Unvertr\u00e4glichkeit leide, die mir jeglichen exzessiven Akt des Betrinkens mit einer morgendlichen Unverstimmtheit vergilt. Ich sage nicht, da\u00df ich gelegentliche Ausbr\u00fcche nicht genie\u00dfe; doch die H\u00e4ufigkeit l\u00e4\u00dft zunehmend nach, da meine Toleranz unter einem Mangel an  Praxis leidet.<br \/>\nNun, vor wenigen Wochen war einer dieser Tage. Mann kennt es: Eigentlich will Mann nur ins Bett, Mann erh\u00e4lt einen Anruf von einem seiner m\u00e4nnlichen Freunde, Mann begeht den schweren Fehler, nur noch schnell auf ein Bier oder zwei den Fu\u00df vor die T\u00fcr zu setzen, obwohl die Vernunft ruft und die Erfahrung Besseres lehrt. Doch da muss Mann durch, denn eine Absage in letzter Minute kommt einer schweren Niederlage und einem herabsetzenden Gesichtsverlust gleich.<br \/>\nIch wohne hier auf einer kleinen Insel auf der Nordwestseite vor &#8222;Hong Kong Island&#8220;. Die Insel ist Herberge f\u00fcr eine Schar von Ausl\u00e4ndern, die sich gewisserma\u00dfen mit legalem und halblegalem Status in der Region aufh\u00e4lt und sich meist als Englischlehrer(innen) und lokal Angestellte (wie ich) in ausl\u00e4ndischen Unternehmen verdingen. Daher ist es wenig erstaunlich, da\u00df es hier eine beachtliche Ansammlung von Pubs, Kneipen und Restaurants gibt, die es unn\u00f6tig erscheinen lassen, sich an einem Samstag Abend nach Hong Kong Island zu bequemen und den doppelten Preis f\u00fcr eine Flasche Bier auf den Tisch zu legen (6 &#8211; 8 Euro).<br \/>\nMein sporadisches Trinkverhalten erlaubt es mir auch nicht, eine dieser \u00d6rtlichkeiten &#8222;mein Stammlokal&#8220; zu nennen, aber es  gibt dort ein oder zwei Pl\u00e4tzchen, die einladend und unter der ausl\u00e4ndischen (meist britischen und australischen) Bev\u00f6lkerung sehr beliebt sind.<br \/>\nGesagt, getan. Der Abend wurde lang, das Bier flo\u00df, die Damen am Nachbartisch trieben uns zum Trinken an, Mann muss ja  zeigen, was Mann f\u00fcr ein Kerl ist. Als ich das Lokal so gegen halb vier Uhr nachts verlie\u00df, wurde mir schon auf dem Weg zur T\u00fcr klar, da\u00df es ein langer Heimweg w\u00fcrde, obwohl meine Wohnung lediglich zehn Minuten von besagtem Ort entfernt ist. Zehn Minuten in normaler Verfassung, so viel mu\u00df Mann dazu sagen. Eine gute halbe Stunde, wenn Mann es soweit kommen l\u00e4\u00dft wie ich. Als ich mich nach langer n\u00e4chtlicher Qual endlich meinem Haus n\u00e4herte und schon mit dem Kopf um die letzte Ecke sah, blieb ich wie angewurzelt stehen. Gut, so angewurzelt und kerzengerade, wie Mann eben in einem solchen Zustand stehen kann, doch stark bem\u00fcht, keine auff\u00e4lligen Ger\u00e4usche &#038; Bewegungen zu machen, die dieses Ding auf dem Boden auf mich aufmerksam machen k\u00f6nnten. K\u00f6rper verdeckt durch die Hauswand, Kopf weit vorn\u00fcbergebeugt, um auch wirklich sicher zu gehen, da\u00df das, was sich dort auf dem Boden befindet, auch da\u00df ist, was ich glaubte zu sehen: eine Schlange.<br \/>\nIch bin kein \u00e4ngstlicher Mensch, und meine Freunde neigen dazu, meine Tierliebe zu bel\u00e4cheln. Meine fr\u00fchere langj\u00e4hrige Freundin beschwerte sich auch des weiteren dar\u00fcber, dass jeder dahergelaufene K\u00f6ter mehr Aufmerksamkeit von mir bek\u00e4me als sie und sie sich daher w\u00fcnschte, ein Sch\u00e4ferhund zu sein. Sie h\u00e4tte es mit einer Dogge versuchen sollen, ich mag keine Sch\u00e4ferhunde. Doch wenn ich etwas aus dem Biologieunterricht mitgenommen habe (und das ist zugegebenerma\u00dfen nicht besonders viel), dann ist es ein gewisser Respekt f\u00fcr alle Arten von Tieren und Insekten, die mit einer Wahrscheinlichkeit von 20% t\u00f6tliche Konsequenzen nach sich ziehen k\u00f6nnen; und Schlangen geh\u00f6ren zu dieser Kategorie. Besonders, wenn man wie ich dem Biologieunterricht wenig Beachtung geschenkt hat und ich das jetzt mit einem Risikozuschlag bezahlen mu\u00df.<br \/>\nDoch warum verf\u00fcgt Mann denn \u00fcber ein Gehirn? Zum Nachdenken&#8230; w\u00e4re jetzt wohl die naheliegende Antwort, doch die aufmerksame Leserschaft (die diesen Erfahrungsbericht nicht schon wieder gelangweilt aus der Hand gelegt hat) wird festgestellt haben, da\u00df dem gar nicht so h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, wenn man sich meinen Zustand vorstellt und meinem Bericht des &#8222;Mannseins&#8220; (=Trinken) Glauben schenkt.<br \/>\nMeine erste Reaktion beschr\u00e4nkte sich darauf, nach meinem Schl\u00fcssel zu greifen, der sich an einem langen Band befindet, da ich dazu neige, Schl\u00fcssel zu verlegen oder auch einmal in Abwassersch\u00e4chte fallen zu lassen. Dieses Band am Schl\u00fcssel war mir schon in einigen Situationen der letzte Retter, so sollte es das auch in diesem Moment sein. Mit Schwung brachte ich den Schl\u00fcssel nach vorne, hielt mich am anderen Ende des Bandes fest und traf mit dem Schl\u00fcssel die Schlange, die sich nicht r\u00fchrte und weiterhin ihren Kopf in ein Loch im Beton steckte (ich habe erst vor wenigen Tagen erfahren, da\u00df Schlangen so etwas tun, wenn auch normalerweise nicht um diese Uhrzeit). Weitere Versuche schlugen fehlt, das Unding zu vertreiben, bis sich bei meinem letzten Versuch &#8211; wie kann es anders sein &#8211; mein Schl\u00fcssel in jenem Betonloch verkeilte und ich mit vorn\u00fcbergeneigter Haltung \u00fcber der Schlange mit Schl\u00fcssel in der Hand erstarrte.<br \/>\nDas sind solche Momente im Leben, die einfach geschehen, wenngleich auch nicht mit allzu gro\u00dfer H\u00e4ufigkeit (und daf\u00fcr bin ich dankbar). Doch es sind auch jene Augenblicke, in denen man sich denkt:&#8220;Oh Schei\u00dfe!&#8220; Situationen, in denen Mann schnelle Entscheidungen treffen mu\u00df, die Leben und Tod bedeuten k\u00f6nnen, in denen Mann den gr\u00f6\u00dften N\u00f6ten und Spannungen des Lebens ausgesetzt ist, in denen Mann panisch die Hand vom Band l\u00f6st und alles weitere dem Schicksal \u00fcberl\u00e4\u00dft, ohne \u00fcber m\u00f6gliche Konsequenzen und \u00dcbernachtungen im Freien nachzudenken.<br \/>\nSo geschah es. Im nachhinein frage ich mich noch, was ich wohl anstelle der Schlange getan h\u00e4tte und wie mich jene mit einer solch grausamen Arroganz ignorieren und weiterhin ihrem Gesch\u00e4ft mit dem Kopf im Betonloch nachgehen konnte.<br \/>\nDoch so geschah es. Mein Haust\u00fcrschl\u00fcssel steckte friedlich im Boden vor meiner Haust\u00fcr, Schlange k\u00fcmmerte sich um sich um wichtigere Angelegenheiten im Dunkel der sch\u00fctzenden Erde, und ich, ja, und ich &#8211; mittlerweile zur Gen\u00fcge panisch mit  wackeligen Beinen in erb\u00e4rmlichen Zustand &#8211; sp\u00fcrte, wie in mir meine Wut hochkochte \u00fcber meine Dummheit und die Tatsache, dass Selbstmitleid unter diesen Umst\u00e4nden keine T\u00fcren \u00f6ffnen w\u00fcrde, zumindest nicht meine Haust\u00fcr.<br \/>\nEin vergeblicher Anruf bei meinen m\u00e4nnlichen Freunden scheiterte, Schlangen tragen einfach nicht zu einer positiven Entwicklung von Trinkfreundschaften bei. Gl\u00fccklicherweise war ein Klettern in den ersten Stock \u00fcber den Balkon in meinem Zustand undenkbar. Nachden sich mein Gehirn nach einen f\u00fcnfmin\u00fctigen Denkpause wieder zur Wort meldete, fiel mir auf, dass ein einsamer Besen an der gegen\u00fcberliegenden Wand des Nachbarhauses lehnte, mit dem ich mich sofort bewaffnete.<br \/>\nDas Problem mit der Schlange schien gel\u00f6st. Selbstbewu\u00dft schob ich den langen Stiel vor mir her und attackierte damit meine Feindin, die bewiesenerma\u00dfen lebte, da sie sich sofort aufrichtete, ihren Kopf nach vorne neigte und fauchte. Das Fauchen versetzte mir keinen Schrecken, es war vielmehr dieser gro\u00dfe runde Kopf, der unerwartet vor mir auftauchte. Ich hatte ein Ger\u00fccht geh\u00f6rt, dass die Japaner beim Abzug nach dem 2. Weltkrieg Giftschlangen auf dieser Insel ausgesetzt hatten, doch ich hatte solche Behauptungen immer bel\u00e4chelt. Wie diese Schlange und ihre Vorfahren den Weg \u00fcber das Meer bewerkstelligt haben, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, doch vor mir stand &#8211; und daran bestand kein Zweifel mehr &#8211; eine Kobra.<br \/>\nIch will diese Geschichte an dieser Stelle unterbrechen, denn ich mu\u00df nicht erw\u00e4hnen, dass ich in dieser Nacht keine Auge zutat. Zwar ist es ungeh\u00f6rt, da\u00df Schlangen (und inbesondere die scheue Art der Kobras) Treppen steigen und sich unter T\u00fcren hinein in fremde Wohnungen quetschen. Doch das beruhigte mich in meinem Zustand wenig. Auch wenn ich sicherlich nicht mein Heldentum &#038; meine M\u00e4nnlichkeit unter Beweis stellen konnte (und ich hoffe, da\u00df man mir das unter gegebenen Umst\u00e4nden nachsieht), so gelang es mir doch, ein Bild meiner Widersacherin zu schie\u00dfen, welches mich stets daran erinnern wird, das Unvertr\u00e4glichkeit von Alkohol in vielerlei Hinsicht gesund ist, Freundschaft unter Lebensgefahr enden kann, die Reinlichkeit meiner chinesischen Nachbarn bewundernswert ist und Mann auch anders kann.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/web517.s13.okayspace.de\/images\/Cobra.jpg\" alt=\"Cobra\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bruder H schreibt: Eigentlich trinke ich nicht besonders viel Alkohol, da ich unter dieser generell unfamili\u00e4ren, jedoch auf der m\u00e4nnlichen Seite unserer Familie verbreiteten Unvertr\u00e4glichkeit leide, die mir jeglichen exzessiven Akt des Betrinkens mit einer morgendlichen Unverstimmtheit vergilt. 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